Urteile: 132-123 | 122-113 | 112-103 | 102-93 | 92-83 | 82-73 | 72-63 | 62-53 | 52-43 | 42-33 | 32-23 | 22-13 | 12-3 | 2-1 |

Kein Anspruch auf Schmerzensgeld gegen Arzt des medizinischen Dienstes bei Thrombose, die nach 23-stündigen Flug auftritt

LG München I | Urteil |Az: 9 O 20353/01

Rechtsgebiet(e): Medizinrecht, Arzthaftungsrecht
Quelle: http://www.jurawelt.com/gerichtsurteile/7820.html


Mit aufgetretenen Problemen nach einer Verletzung im Urlaub war die für Arzthaftungsklagen zuständige 9. Zivilkammer bei einem Rechtsstreit auf Schmerzensgeld wegen Beratungsfehler befasst.

Kläger sind die Erben eines im Juni 1999 verstorbenen Mannes, der im März 1998 im Urlaub beim Parasailing in Phuket einen Unfall erlitten hatte. Im örtlichen Krankenhaus wurde eine Fraktur des Wadenbeins und eine Verletzung des Sprunggelenks festgestellt. Da der Urlauber für den Rückflug eine Flugtauglichkeitsbescheinigung benötigte, wandte er sich über seine Krankenversicherung an deren medizinischen Dienst in München. Von dort wurde er auf die Gefahr einer Thrombose hingewiesen und aufgefordert, den örtlichen Arzt nocheinmal aufzusuchen. Der Beklagte, ein Arzt des medizinischen Dienstes, nahm Kontakt zu dem thailändischen Arzt auf, der mitteilte, dass der Bruch gut stehe und die Schwellung deutlich besser geworden sei, weshalb auch keine Heparin Behandlung erforderlich sei. Die Krankenversicherung informierte den Urlauber darüber, dass der medizinische Dienst keine Bedenken gegen den Rückflug habe.

Unmittelbar nach der Rückkehr von der 23-stündigen Rückreise wurde im Krankenhaus eine schwere Thrombose festgestellt, die zu monatelangen Komplikationen führte. Im Juni 1999 verstarb der Patient auf Grund anderer Ursachen.

Ein vom Gericht erholtes Gutachten kam zu dem Schluss, dass kein Nachweis dafür vorliegt, dass die beim Verstorbenen aufgetretene Thrombose durch den Rückflug oder die fehlende Thromboseprophylaxe erfolgt sei; insbesondere könne nicht gesagt werden, dass die Thrombose durch das Verschieben des Rückflugs hätte vermieden werden können.

Das Gericht sah es zudem als höchst fraglich an, ob dem Beklagten vorgeworfen werden könne, sich auf die Auskünfte des örtlichen Arztes verlassen zu haben.

Die Klage wurde abgewiesen.




Zur Aufklärung vor einer Blinddarmoperation

OLG Hamm | Urteil |

Rechtsgebiet(e): Arzthaftungsrecht, Medizinrecht
Quelle: VersR 2000, 101


Vor einer Appendektomie muss der Patient auf das Risiko einer Peritonitis (Bauchfellentzündung) und das bei dessen Eintritt bestehende Mortalitätsrisiko hingewiesen werden.

Anmerkung:
Ein Hinweis auf die allgemeine Sterblichkeitsrate muss jedoch nicht erfolgen (BGH NJW 1980, 633)



Zur Aufklärung vor einer Brustwirbeloperation

BGH |

Rechtsgebiet(e): Arzthaftungsrecht, Medizinrecht
Quelle: BGH NJW 1976, 365; OLG Oldenburg VersR 1997, 978


Vor einer Brustwirbeloperation muss auf das Risiko einer Querschnittslähmung hingewiesen werden.



Brustkrebs bei dichtem Drüsengewebe nicht erkannt

OLG München | Urteil |

Rechtsgebiet(e): Arzthaftungsrecht
Fundstellen: VersR 2000, 102


Der Diagnosefehler eines Gynäkologen, der zur Abklärung der von der Patientin beklagten Druckschmerzen Mammografien beider Brüste veranlasst und die abgebildeten Einlagerungen fälschlich als nicht suspekte Makrokalzifikationen (mit bloßem Auge erkennbare Kalkablagerungen im Brustgewebe) beurteilt, ist nicht als fundamental zu werten, wenn die Einordnung aus radiologischer Sicht wegen des dichten Drüsenkörpers sehr schwierig war.



Kein Schadensersatz bei Unzufriedenheit nach kosmetischer Brustoperation

Landgerichts Osnabrück | Urteil |Az: 2 O 1303/03

Rechtsgebiet(e): Arzthaftungsrecht, Medizinrecht
Quelle: http://www.anwalt-suchservice.de/rechtsprechung/gesundheit_...


Die Unzufriedenheit mit einer kosmetischen Operation alleine begründet keinen Schadensersatzanspruch, soweit die betroffene Person zuvor ordnungsgemäß aufgeklärt worden ist und die Operation als solche den Regeln der ärztlichen Kunst entsprochen hat. Dies ergibt sich aus einem inzwischen rechtskräftigen Urteil des Landgerichts Osnabrück.

Im konkreten Fall hatte die damals 45-jährige Frau mit dem beklagten Arzt eine operative Korrektur der beiden Brüste vereinbart. Am Abend vor der Operation fand das Aufklärungsgespräch statt. Nachdem die Operation durchgeführt worden war, zeigte sich die Patientin mit dem Ergebnis nicht einverstanden. Es wurde deshalb in der Folgezeit ein weiterer Eingriff in Form einer weiteren Brustvergrößerung mittels Implantatwechsels durchgeführt. Mit der Klage verlangte die unzufriedene Patientin nun die gezahlten Kosten in Höhe von ca. 12.000,-- EUR zurück zuzüglich eines Schmerzensgeldes in Höhe von 10.000,-- EUR und behauptete, sie sei von dem beklagten Arzt vor der ersten Operation über die Risiken und die Chancen des Eingriffs nicht ausreichend aufgeklärt worden.

Dies sah das Landgericht Osnabrück anders: Die Frau sei von den Ärzten ausreichend und umfangreich aufgeklärt worden. Der ärztlichen Aufklärung bei Schönheitsoperationen, die medizinisch nicht indiziert seien, komme dabei eine besondere Bedeutung zu. Der Patient müsse in solchen Fällen darüber unterrichtet werden, welche Verbesserungen er im günstigsten Fall erwarten könne und ihm müssten auch etwaige Risiken deutlich vor Augen gestellt werden, damit er genau abwägen könne, ob er einen etwaigen Misserfolg des ihn immerhin belastenden Eingriffs und darüber hinaus aus sogar bleibende Entstellungen oder gesundheitliche Beeinträchtigungen in Kauf nehmen will, selbst wenn diese auch nur entfernt als eine Folge des Eingriffs in Betracht kommen. Diesen Anforderungen hätte der Arzt im konkreten Fall aber Genüge getan. Dabei sei insbesondere maßgebend, dass bei der Frau zuvor bereits zwei Brustoperationen durchgeführt wurden und sie vor beiden Operationen umfassend aufgeklärt worden war. Die konkreten Risiken einer Brustoperation wären der Patientin deshalb bereits bekannt gewesen. Die Dauer des Aufklärungsgesprächs von 75 Minuten sei auch ein Beleg dafür, dass der Arzt ein umfassendes Aufklärungsgespräch geführt hätte. Zudem hätte die klagende Patientin ein Aufklärungsformular unterzeichnet, in dem zahlreiche Risiken der kosmetischen Korrektur aufgeführt waren.



Entfernung einer gesunden Prostata

OLG Celle | Urteil |Az: 1 U 64/00

Rechtsgebiet(e): Arzthaftungsrecht


Ein Mann, dem nach einer Fehldiagnose die gesunde Prostata entfernt wurde, hat einen Anspruch auf Schmerzensgeld in Höhe von bis zu 100.000 Mark.

Ein Arzt hatte bei einem 61 Jahre alten Patienten nach der Untersuchung einer Gewebeprobe fälschlicherweise Prostatakrebs diagnostiziert. Daraufhin wurde die Drüse "fälschlicherweise völlig unnötig" herausoperiert. Die Richter des OLG Celle urteilten: Der Arzt habe dem Mann «jeglichen weiteren materiellen und immateriellen Schaden, der durch die fehlerhafte Diagnose im August 1998 verursacht worden ist, zu ersetzen» und verurteilte ihn zu Zahlung von 100.000 Mark Schmerzengeld. Der Arzt habe den erforderlichen "Sorgfaltsmaßstab" missachtet. Der 61-Jährige leide nun an Inkontinenz und Impotenz. Dies beeinträchtige seine berufliche und private Lebensführung. Unter Berücksichtigung des Alters des Klägers sei dies eine "essenzielle Einbuße an Lebensqualitä", denn der Mann habe die Familienplanung noch nicht abgeschlossen. Dabei sei auch zu berücksichtigen, dass die durch den unnötigen Eingriff hervorgerufenen Gesundheitsschäden den Kläger nachhaltig bei der Suche nach einer Lebensgefährtin beeinträchtigen.



Bestrahlung der falschen Brust in der Brustkrebstherapie

OLG Hamm | Az: 3 U 84/99, Vergleich im Januar 2000

Rechtsgebiet(e): Arzthaftungsrecht
Quelle: http://focus.msn.de/E/EG/EGA/EGAA/egaa.htm?sernr=1607&zu2=0...


Einer Krebspatientin aus Rheine ist einen Monat lang die falsche Brust bestrahlt worden. Das behandelnde Krankenhaus muss ihr nun 40 000 Mark Schmerzensgeld zahlen, entschied der 3. Zivilsenat des Oberlandesgerichtes (OLG) Hamm in einem 24. Januar 2000 bekannt gewordenen Vergleich. Außerdem muss das Krankenhaus sechs Prozent Zinsen auf die bisherige Schmerzensgeldsumme zahlen. Das Landgericht Münster hatte in erster Instanz ein Schmerzensgeld in Höhe von 10 000 Mark entschieden.

Die 40 Jahre alte Frau war Anfang 1996 an der Brust operiert worden. Anschließend unterzog sie sich einer Strahlentherapie. Statt die linke Brust wurde jedoch die rechte behandelt. Auf Grund der Komplexität der medizinischen Geräte hätte die Frau nicht ohne weiteres erkennen können, wohin die Strahlen gerichtet waren, sagte ein Sprecher des Oberlandesgerichtes.



Bei Operation Sterilisationsband im Unterleib vergessen - 8000 Euro Schmerzensgeld

Landgericht Braunschweig | Urteil |Az: 4 O 2339/02

Rechtsgebiet(e): Arzthaftungsrecht
Quelle: www.anwalt-suchservice.de/rechtsprechung/gesundheit_medizin/gesundheit_4673.html


Braunschweig (dpa/lni) - Eine 48 Jahre alte Frau bekommt 8000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen, weil Klinikärzte bei einer Sterilisation ein Band im Unterleib vergessen hatten. Das 13 Zentimeter lange Band wurde erst nach fast 17 Jahren entdeckt, wie das Landgericht Braunschweig mitteilte. Die heute 48-Jährige hatte nach der Operation Jahre lang an Bauch- und Unterleibschmerzen gelitten. Das Krankenhaus legte gegen die Höhe des Schmerzensgeldes Berufung ein, nahm sie aber zurück.



10 000 Euro Schmerzensgeld für Operation am falschen Knie

Landgericht Leipzig | Az: kein Az. mitgeteilt

Rechtsgebiet(e): Arzthaftungsrecht, Medizinrecht
Quelle: http://www.anwalt-suchservice.de/rechtsprechung/gesundheit_...


Leipzig (dpa/sn) - Nach der Operation am falschen Knie muss ein Leipziger Arzt 10 000 Euro Entschädigung an seine Patientin zahlen. Ein entsprechender Vergleich ist vor dem Landgericht Leipzig geschlossen worden. Die 33 Jahre alte Klägerin und der Orthopäde können innerhalb von drei Wochen den Vergleich widerrufen. Sollte eine der Seiten dies tun, wird vom Gericht ein Sachverständiger für die Untersuchung des Falles eingesetzt. Ein Urteil wäre dann nicht absehbar. Das Landgericht Leipzig beurteilte in der mündlichen Verhandlung die versehentliche Meniskusoperation als eine rechtswidrige Körperverletzung, für die der Arzt haften müsse. "Das ist ein grober Behandlungsfehler, der in Arztpraxen nicht passieren darf", sagte Richter Karl Schreiner. Die Gesamtforderungen der Klägerin von 21 000 Euro an Schmerzensgeld und Schadenersatz befand er aber als nicht angemessen.

Der Leipziger Arzt hatte die 33 Jahre alte Kosmetikerin im August 2001 am linken Knie behandelt. Allerdings operierte er versehentlich den rechten Meniskus. Dort klagt die Frau seitdem über Schmerzen und Taubheitsgefühle und musste ein weiteres Mal operiert werden.

Nach Aussage des Orthopäden war der rechte Meniskus aber schon vor der fälschlichen Operation geschädigt. Einen Monat nach dem versehentlichen Eingriff am rechten Knie hatte der Arzt auch das linke Knie operiert.



Ärzte vernachlässigen Suizidneigung - 250 000 Euro Schmerzensgeld

Oberlandesgericht Hamm | Az: 3 U 59/03

Rechtsgebiet(e): Arzthaftungsrecht, Medizinrecht
Quelle: http://www.anwalt-suchservice.de/rechtsprechung/gesundheit_...


Eine Frau, die in einem Krankenhaus im Ruhrgebiet einen Selbsttötungsversuch mit Tabletten unternommen hatte, bekommt von der Klinik 250 000 Euro Abfindung. Auf diese Summe einigten sich die Klägerin und der Krankenhausträger aus Essen am Oberlandesgericht Hamm. Die Frau, die wegen der Einnahme einer Überdosis Schlaftabletten ins Krankenhaus gebracht worden war, hatte ein Zimmer unmittelbar in der Nähe des Medikamentenschranks bekommen.

Im Krankenhaus versuchte sie erneut, sich das Leben mit Hilfe von Schlaftabletten zu nehmen. Sie gab an, die Pillen aus dem Medikamentenschrank genommen zu haben, teilte das Gericht mit. Die Klinik widersprach dem: Der Schrank sei stets fest verschlossen gewesen.

Die Richter werteten es als schweren Behandlungsfehler, dass die Ärzte den Zustand der Patientin nicht hinsichtlich ihrer Suizidneigung überprüft hatten. Sie folgten damit einem Gutachter. Die Frage, woher die Frau die 25 bis 30 Schlaftabletten für ihren zweiten Selbsttötungsversuch genommen hatte, blieb unberücksichtigt. Die Klägerin hat von dem Medikamentenmissbrauch bleibende Schäden davongetragen. Sie ist auf den Rollstuhl angewiesen, hat schwere neurologische Störungen und kann weder sprechen noch schreiben.