Schlaganfall als Migräne verkannt - 100 000 € Schmerzensgeld

Landgericht München I | Az: 9 O 5889/99

Rechtsgebiet(e): Arzthaftungsrecht, Medizinrecht
Quelle: www.anwalt-suchservice.de


Ein Münchner Neurologe hat den Schlaganfall eines 39-jährigen Patienten nicht erkannt und stattdessen eine komplizierte Migräne diagnostiziert. In der Nacht nach dem Arztbesuch erlitt der Mann einen zweiten Schlaganfall, der zu einer halbseitigen Lähmung mit Sprachstörungen führte. Der Ingenieur kann seinen Beruf seitdem nicht mehr ausüben. Das Landgericht München I sah einen groben Behandlungsfehler und verurteilte den Arzt zur Zahlung von 100 000 Euro Schmerzensgeld und 59 000 Euro Schadenersatz.

Der Neurologe bzw. dessen Versicherung müssen dem Urteil der 9. Zivilkammer zufolge dem Mann außerdem eine monatliche Schmerzensgeldrente von 100 Euro zahlen. Zudem müssen die Behandlungskosten sowie der eingetretene Verdienstausfall ersetzt werden.

Der Patient hatte auffällige Sprach- und Gefühlsstörungen beklagt und war von seiner Hausärztin sofort zu dem Neurologen überwiesen worden. Dieser tippte nach einer Untersuchung auf eine schwierige Migräne und erklärte, der Patient solle sich für eine genauere Abklärung an einem späteren Tag zu einem Radiologen begeben und eine Kernspintomographie des Schädels machen lassen. Dazu kam es jedoch nicht mehr, weil der Mann in der darauf folgenden Nacht den folgenreichen zweiten Schlaganfall erlitt.

Nach Auffassung des Gerichts hätte der Neurologe noch am selben Tag eine weitere Abklärung seiner Verdachtsdiagnose veranlassen und den Patienten umgehend in eine Klinik einweisen müssen. Auf diesen groben Behandlungsfehler sei der zweite Schlaganfall zurückzuführen.



Keine Haftung bei hypothetischer Einwilligung trotz Aufklärungsmangels

OLG Koblenz | Urteil |Az: 5 U 1086/03

Rechtsgebiet(e): Arzthaftungsrecht, Medizinrecht
Quelle: ArztR 5/2005, S. 134


Vor der Entfernung des gesamten rechten Schilddrüsenlappens muss der Arzt über die Gefahr dauerhaft verbleibender Atembeschwerden aufklären. Trotz diesbezüglich unterbliebener Aufklärung haftet der Arzt nicht, wenn der Patient auch bei umfassender Aufklärung in die Operation eingewilligt hätte.
Dies ist anzunehmen, wenn in die Einwilligungserklärung auf zahlreiche, gravierende Risiken hingewiesen wurde, wie z.B. "Blutung, Nachblutung, Thrombose, Embolie, Wundinfektion, Wundheilungsstörungen, Verletzung von Nerven und Gefäßen, Stimmbandlähmung, Heiserkeit bis Stimmlosigkeit, Narbenbildung" und der Entschluss des Patienten schon vor der stationären Aufnahme feststand, weil er um die optischen und körperlichen Beeinträchtigung seiner Mutter wusste und nicht selbst deren Leidensgeschehen durchmachen wollte.



Pharmafirmen dürfen für soziale Projekte sponsern

LG Ulm | Urteil |Az: 10 O 157/06

Rechtsgebiet(e): Medizinrecht


Die Unterstützung sozialer Projekte zur Verkaufsförderung ist auch für Pharmafirmen auch im Hinblick auf die Besonderheiten im Arzneimittelbereich und der Werbung im Gesundheitswesen prinzipiell zulässig.